Ichtys - Dekanatsjugendseelsorge Lindau

Meine Erfahrungen mit Jesus Christus von Florian Wörner, Regionaljugendseelsorger 

Eigentlich kann ich sie schon nicht mehr hören, obwohl sie gar nicht so abwegig ist, die Frage, was dieser Zölibat soll ( die vorgeschriebene Ehelosigkeit der katholischen Geistlichen ). Seit ich mich vor der Diakonenweihe am 2. März 1996 in Augsburg dazu verpflichtet habe, ist mir diese Frage von Erwachsenen und jungen Menschen zigmal gestellt worden. Ich finde sie deswegen nicht so abwegig, weil sie andere, noch viel wichtigere Fragen aufwirft: Was ist mir wichtig im Leben ? Was bestimmt mein Leben ?

Diese Fragen habe ich mir gegen Ende meiner Schulzeit vor meinem Abitur in Ettal ( Landkr. Garmisch-Partenkirchen ) sehr stark gestellt verbunden mit der Frage, was ich werden will. Ich habe damals eigenartigerweise mit niemanden darüber reden wollen - vielleicht aus Angst, ich müsste mich dann festlegen; denn ich war mir nicht sicher. Sicher war - und das hat sich bis dahin wie ein roter Faden durch mein Leben gezogen - dass ich mich hingezogen fühlte zu dem, dem ich mein Leben verdanke, und zu dem ich besonders seit meiner Erstkommunion eine Beziehung aufgebaut hatte. Diese Beziehung brachte mich jeden Tag im Gebet mit ihm zusammen und mindestens jeden Sonntag in der heiligen Messe. Und dann gab es Menschen in meiner Umgebung, die mir von Zeit zu Zeit wichtige Anstöße gaben. Dass sie von Jesus kamen, habe ich erst später gemerkt. Es war dann seltsamerweise der Einberufungsbescheid zum Wehrdienst, der mich zu einer Entscheidung brachte und mich an Ostern 1990 kurz vor dem Abi sagen ließ: jetzt oder nie ! Die Entscheidung, nicht zur Bundeswehr, sondern ins Priesterseminar, in die Stauffenbergstrasse 8 nach Augsburg zu gehen, war zunächst einmal, wie wenn ein Stein vom Herzen fällt. Dieser Stein fiel mir nicht deswegen vom Herzen, weil ich nicht zur Bundeswehr musste, sondern weil ich mich endgültig entscheiden konnte. Und dann ging es aber weiter mit der Klärung entscheidender Fragen ( Der Leiter des Priesterseminars sagte deswegen immer, das Priesterseminar ist eine "Kläranlage" ): Was ist dir wichtig im Leben ? Was bestimmt dein Leben ? Warum hast du diesen Weg gewählt ?

Im Nachhinein betrachtet muss ich sagen, ding es mir wie den beiden Männern im Gleichnis von der Perle und dem Schatz im Acker ( Matth. 13, 44-46 ) - und so seht es mir heute noch viel mehr: Von außen her gesehen verhalten sich die beiden Männer im Evangelium ein wenig eigenartig, und das ist wohl auch der Grund, warum viele auch den Zölibat eigenartig finden. Sie verkaufen alles, geben alles her, setzen alles aufs Spiel, nur um das eine zu gewinnen, nämlich die Perle bzw. den Schatz im Acker. Für mich und viele andere sind Jesus und sein Reich immer mehr zu dieser Perle, zum Schatz geworden. Das ist für mich ein Wert, den man nicht kaufen kann, weil er unbezahlbar ist, weil ihm nichts gleichwertig ist. Und trotzdem hat Jesus ihn mir angeboten. Und Gott sei Dank bin ich dabei, ihn mir immer mehr anzueignen und lieb zu gewinnen. Bevor ich Jesus kennenlernen durfte, ist er mir schon entgegengekommen, hat er mir schon seine Hand aufgelegt, mich gesalbt und mich behutsam in aller Freiheit geführt. Dass er mich liebt, hat er mir nicht nur in vielen Situationen meines Lebens gezeigt ( kleinere und größere Wunder, andere nennen es " Zufall ", ich nicht ! ). Er hat es mir vor allem dadurch deutlich gemacht, dass er auch für mich ganz persönlich ans Kreuz gegangen ist, um mich zu Gott zu bringen ( die einen nennen das eine "Dummheit" und sein Scheitern, ich nenne es Sieg über die Macht des Bösen und Erlösung ).

Als mir das im persönlichen Gebet und in der Eucharistie immer klarer wurde, war auch meine Antwort darauf immer klarer: Dem folgst du nach ! Es gibt nichts anderes und besseres als das ! Und je mehr ich loslassen kann von allem anderen, was mir auch lieb und wichtig ist, um so mehr kann ich IHN gewinnen, komme ich zu ihm hin. Und es gibt viel, was mir lieb und wichtig ist. Aber das Loslassen, um Größeres zu gewinnen, macht mich glücklicher als alles andere. Das mag sich genauso eigenartig anhören wie das Gleichnis von eben, aber es ist so.

Und drum sind Zölibatsdiskussionen gar nicht so verkehrt. Dort geht es nämlich schnell zur Sache und ich werde immer wieder einmal auch an meine persönliche Fragen erinnert: Was ist dir wichtig ? Was bestimmt dein Leben ? ...

Ich hoffe und bete, dass es so bleibt und immer klarer wird: Jesus Christus ! Auf dem Weltjugendtag 2000 in Rom habe ich sieben Schritte kennengelernt, die eine ganz gute Hilfe sind auf diesem Weg. Diese Worte sind von Kardinal Christoph Schönborn: - Hör auf Gott, der in der Stille zu dir spricht !                                                                                            -Interessiere dich für die Menschen, die dich brauchen, die in Not sind ! Höre anderen gut zu !                                                  - Bringe Opfer aus Liebe und lass es einem Menschen zugute kommen, dem es nicht so gut geht.                                               - Du kannst nicht alleine heilig werden ! Nimm teil am Leben der Gemeinschaft der Kirche !                                                      - Jesus ist der Weg zur Heiligkeit: Sei in ihn verliebt, lerne ihn im Wort des Evangeliums kennen !                                                - Vertrau der Lehre der Kirche! Sie ist ein Weg des Glücks, aber sie braucht unseren guten Willen !                                          - Liebe die Sakramente, in denen Jesus dir begegnet, vor allem die Eucharistie und die Beichte !   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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